"Idee voraus": So freuen sich verdiente Sieger

Das "Mach was!"-Projekt des Kriminalpräventiven Rates gewinnt beim "Idee voraus"-Wettbewerb von Norderstedt Marketing und dem Abendblatt.

Von Frank Schulze

Die Arbeitsgruppe Jugend des Kriminalpräventiven Rates Norderstedt gewann gestern mit ihrem Projekt "Mach was!" den "Idee voraus"-Wettbewerb

Norderstedt. Das Projekt "Mach was!" des Kriminalpräventiven Rates in Norderstedt ist der Sieger beim großen "Idee voraus"-Wettbewerb von Norderstedt Marketing und der Norderstedter Regionalredaktion des Abendblattes. Während einer Feierstunde gestern im Foyer der "TriBühne" überreichte Stadtpräsidentin Kathrin Oehme den "Mach was!"-Machern als Siegestrophäe einen Staffelstab aus Acryl. Außerdem gab es von Norderstedt Marketing einen Scheck über 500 Euro. Über einen Preis freuen konnte sich auch der Norderstedter Wilfried Abu Hassan Siebert: Er hatte "Mach was!" als Wettbewerbsbeitrag eingereicht und erhielt dafür ein iPad. 

Bei der dritten Auflage des "Idee voraus"-Wettbewerbs waren insgesamt etwa 30 Vorschläge eingegangen: Nach den Worten von Norderstedt-Marketing-Geschäftsführerin Marie-Kathrin Weidner seien Vorschläge vor allem aus dem sozialen und dem wirtschaftlichen Bereich dabei gewesen: "Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden", sagte Weidner. Der Wettbewerb habe auch im dritten Jahr gezeigt, wie viele gute Ideen, die in der Region, aber auch in ganz Deutschland einmalig sind, in Norderstedt zu finden seien.

Stadtpräsidentin Oehme ist stolz auf den Wettbewerb und auf die Preisträger

Norderstedts Stadtpräsidentin Kathrin Oehme zeigte sich ebenfalls beeindruckt; sie betonte: "Wir können stolz sein, dass wir diesen Wettbewerb haben. Und wir können stolz sein auf den Kriminalpräventiven Rat und sein ,Mach was!'-Projekt."

Das siegreiche Projekt, das von einer Jury einstimmig ausgewählt worden war, soll jungen Straftätern im Alter von 17 bis 22 Jahren - Ausnahmen sind möglich -, die aus eigenem Entschluss dieses Hilfsangebot annehmen wollen, dabei helfen, ihren bisherigen, kriminellen Weg zu beenden. "Es kommt immer wieder vor, dass mehrfach straffällig gewordene junge Heranwachsende nicht wissen, wie sie ihr bisheriges Leben ändern können, obwohl sie es nach eigener Aussage endlich ändern möchten", erläuterte der Jugendbeauftragte der Polizei und Motor des Projektes, Wolfgang Banse. Wichtig sei, so Banse, dass die jungen Menschen freiwillig an dem Projekt teilnehmen.

Junge Straffällige, die sich für eine Teilnahme entscheiden, werden umgehend zu einem Mitarbeiter des Straßensozialarbeits-Projektes "Licht-Blick" der Vicelin-Schalom-Kirche gebracht, der mit den jungen Erwachsenen dann eine "To-Do-Liste" erarbeitet. Für die jungen Menschen, die es nicht allein schaffen, etwa einen Termin bei der Schuldnerberatung zu vereinbaren oder auch nur einen Ausweis zu beantragen, kommt nun ein Coach, also ein Betreuer, hinzu, der ihn begleitet und ihm zeigt, welche Schritte man wie und wo in welcher Reihenfolge abarbeitet.

In Norderstedt haben sich bereits 25 Männer und Frauen bereit erklärt, den Jugendlichen als Coaches bei der Bewältigung ihrer Probleme zur Seite zu stehen.

Sandra Brandt, die in Norderstedt die Ermittlungsgruppe Jugend der Polizei leitet und aktiv im Kriminalpräventiven Rat mitarbeitet, kümmert sich um diese sogenannten Intensivtäter, für die "Mach was!" gedacht ist. Als Intensivtäter gilt, wer zweimal im Jahr wegen eines Gewaltdeliktes oder fünfmal wegen anderer Vergehen auffällig geworden ist. In Norderstedt gibt es etwa 25 dieser gescheiterten Jugendlichen.

Viele straffällige Jugendliche wissen nicht, wie sie ihr Leben ändern sollen

Außer Sandra Brandt sind unter anderem auch Jugendrichterin Claudia Naumann und Straßensozialarbeiter Michael Schlichting vom "Licht-Blick" bei "Mach was!" aktiv. Jugendrichterin Claudia Naumann: "Wenn Jugendliche vor Gericht stehen und ihre erste Jugendstrafe bekommen haben, dann werden ihnen Betreuer an die Seite gestellt. Aber bevor es so weit kommt, gibt es keine individuelle Hilfe." Wolfgang Banse beschreibt, warum es für die Jugendlichen mit dem Willen zur Änderung ihres Lebens so schwierig ist, alleine zurechtzukommen. "Die haben den Überblick komplett verloren. Die schämen sich für ihre Schulden und für den Mist, den sie gebaut haben."

Hier sollen die Paten aus Norderstedt als Coach ins Spiel kommen. Wer Lust hat, einem Jugendlichen weiterzuhelfen, der meldet sich beim "Licht-Blick". "Wir vereinbaren dann ein Treffen und schauen, ob der Bewerber in Frage kommt", sagt Schlichting. Wenn ja, dann macht der Coach zunächst eine zweitägige Ausbildung zum Ämter-Lotsen. Das soll nämlich seine Hauptfunktion für den Jugendlichen darstellen.

Die Coaches sind Begleiter, aber kein Mutter- oder Vaterersatz

Wolfgang Banse: "Wir suchen keine Menschen, die alles für den Jugendlichen erledigen. Wir wollen nicht, dass der Jugendliche sich zurücklehnt und den Coach machen lässt." Die Rolle des Coach ist eher die des Begleiters, nicht der Mutter- oder Vaterersatz. Der Jugendliche soll über das Erfolgserlebnis, seine Dinge selbst geregelt zu bekommen, Selbstvertrauen tanken.

Das Konzept dieses vorbildlichen Hilfs- und Patenschaftsprojektes überzeugte auch Wilfried Abu Hassan Siebert, der "Mach was!" als Vorschlag für den Wettbewerb einreichte. "Für mich sind die Mitstreiter von ,Mach was!' die Engel von Norderstedt."

Wer sich als Coach für das Projekt "Mach was!" bewerben möchte, sollte über einiges an Lebenserfahrung und Zeit verfügen. Melden Sie sich unter Telefon 040/94 36 66 95 bei den Straßensozialarbeitern des "Licht-Blicks" in der Vicelin-Schalom-Kirchengemeinde.